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26.03.2020, 09:00 Uhr
Beitrag zu Wissenschaft und Kultur in schwieriger Zeit
Sie werden sich wundern, warum ich in einer Krisenzeit wie dieser über Wissenschaft und Kultur schreibe. Uns alle belasten augenblicklich Existenzängste, Sorgen um die eigene Gesundheit und die unserer Familien und Freunde, Sorgen um unsere wirtschaftliche Existenz, um die Erhaltung unserer Strukturen in vielerlei Hinsicht.
Mich haben Beiträge zahlreicher Künstler bewegt, die, bspw. mit ihren Liedern, Mut machen, Hoffnung geben, informieren und sensibilisieren. Mir imponieren die Wissenschaftler, die unermüdlich zum Thema Corona forschen und an Impfstoffen und Medikamenten arbeiten und somit alles geben, um unsere Gesundheit und unser Leben zu retten.
Deswegen habe ich einen Beitrag, den ich vor wenigen Wochen erst für einen anderen Anlass schrieb, noch einmal überarbeitet. Das Ergebnis lesen Sie hier.
Wolfenbüttel - Wissenschaft und Kultur sind in der öffentlichen Diskussion und der Politik Bereiche, die – in Zeiten knapper Kassen und enger öffentlicher Haushalte – gern als Steinbruch für das Stopfen von Haushaltslöchern genutzt werden. Dass dies an die Substanz gehen kann, macht das Zitat von Maksim Gorki auf eindringliche Art und Weise deutlich: Was ist unsere Gesellschaft, was sind wir ohne unseren Verstand, ohne unsere Seele? Nichts!
Gerade in unserer Region, im Braunschweiger Land, spielen Wissenschaft und Kultur für das tägliche Leben aller eine nicht zu übersehende Rolle.
Unsere Region mit Hochschulen und Instituten, mit Forschungseinrichtungen erster Klasse steht für modernste Wissenschaft wie keine andere Gegend im Lande. Gemeinsam mit der Region Göttingen ist eben diese Region Forschungs- und Wissenschaftsstandort Nr. 1 in Europa! Wie wollen wir die enormen Herausforderungen meistern, vor die die Zukunft uns stellt? Wie wollen wir dem Klimawandel, allgemeinen Umweltbelastungen, dem Hunger in der Welt bei steigender Weltbevölkerung, gesellschaftlichen Herausforderungen wie Mobilität, Fachkräftemangel und Demographie, wie wollen wir Technisierung und Digitalisierung oder dem akuten Thema „Coronavirus“ begegnen, wenn nicht mit unserem Verstand, unserer Wissenschaft? Sollte es uns nicht ein wenig stolz machen, dass wir hier unseren Beitrag dazu leisten dürfen?
Und ist es nicht mit der Kultur ähnlich? Denken wir uns einmal das Staatstheater oder das Lessingtheater weg, die kleinen Bühnen ebenfalls, die Kultureinrichtungen, die Vereine, die Musikgruppen in unseren Städten und Dörfern: Was bleibt dann noch? Was hält uns dann zusammen in einer Zeit, die immer schneller, anonymer, immer oberflächlicher wird? Mit der Kultur pflegen wir unsere Wurzeln, ohne die wir – in großen Zentren bei vielen Menschen schon deutlich erkennbar – eben entwurzelt, heimatlos und ohne Halt und Zusammenhalt seelenlos nebeneinander her leben. Wer einmal Kinder oder auch alte Menschen beobachtet, wenn sie gemeinsam singen und spielen, etwas aufführen oder musizieren, der weiß, wie wichtig die Pflege unserer Kultur sowohl für den Einzelnen als auch die Gemeinschaft ist. Unsere Kultur hilft uns, auch schwierige Zeiten wie diese gemeinsam zu überstehen. Und wer die eigene Kultur erlebt und pflegt, der weiß auch die Kulturen anderer zu schätzen und zu akzeptieren, der begegnet seinen Mitmenschen aufgeschlossen und tolerant.
So sind sowohl die Förderung von Forschung und Wissenschaft als auch die Pflege unserer Kultur sowie die Achtung der Kultur anderer Garanten für ein friedliches Miteinander. Darüber hinaus sind Wissenschaft und Kultur auch bemerkenswerte Wirtschaftsfaktoren, sie bringen Arbeitsplätze und Steuereinnahmen für unsere Kommunen in erheblicher Größenordnung. Denken Sie sich die Hochschulen, die Kliniken, die Theater, die zahlreichen kulturellen Angebote etc. und die damit verbundenen Arbeitsplätze einmal weg …
Wissenschaft und Kultur sind unverzichtbar, wenn wir als Gesellschaft bestehen wollen. Wir sollten sie hegen und pflegen, wir sollten die dort engagierten Menschen unterstützen und, wieder frei nach Maksim Gorki, Verstand und Seele gesund erhalten!